Werkstatt II.III.2
Weniger Träger, mehr Wirkung: Wie viel Fragmentierung kann sich der Sozialstaat leisten?
Werkstatt II.III.2
Weniger Träger, mehr Wirkung: Wie viel Fragmentierung kann sich der Sozialstaat leisten?
Auf dem Zukunftskongress Sozialstaat wird intensiv darüber diskutiert, wie Sozialversicherungssysteme gestaltet sein müssen, damit Digitalisierung und Automatisierung ihre Potenziale entfalten können. Skalierbare digitale Lösungen setzen Strukturen voraus, in denen Prozesse, Daten, Regeln und Zuständigkeiten über einzelne Organisationen hinweg zusammengedacht werden. Gerade die Automatisierung macht sichtbar, dass es bei gleicher Regulatorik und weitgehend vergleichbaren Aufgaben immer weniger überzeugend ist, zahlreiche Träger mit parallelen Prozess-, IT- und Steuerungsstrukturen dauerhaft vorzuhalten.
Damit berührt die digitale Transformation eine grundsätzliche Organisationsfrage: Wie leistungsfähig sind Strukturen, die über viele Träger, Zuständigkeiten und teils unterschiedliche Systeme hinweg organisiert sind, wenn die fachlichen Anforderungen im Kern ähnlich bleiben? Wo Prozesse regelbasiert standardisiert und automatisiert werden können, sinkt der sachliche Mehrwert organisatorischer Fragmentierung. Gleichzeitig steigen die Kosten der Koordination, Harmonisierung und Systemintegration.
Diese Frage ist eng mit einer weiteren Debatte verbunden: Wie viel organisatorische Differenzierung braucht die Sozialversicherung – und wo erzeugt sie vermeidbare Komplexität und Kosten? Die Diskussion über Verwaltungskosten, Doppelstrukturen und die Vielzahl von Trägern wird seit Langem geführt. Auf dem Podium soll sie nun offen und ohne Vorfestlegung diskutiert werden: Was spricht für die bestehende Vielfalt, was für stärkere Bündelung? Welche Effizienzgewinne sind von strukturellen Veränderungen tatsächlich zu erwarten – und welche Erwartungen greifen zu kurz?
Im Mittelpunkt steht damit die politische Gestaltungsfrage: Welche strukturellen Rahmenbedingungen braucht eine Sozialversicherung, die digital skalierbar, wirtschaftlich und leistungsfähig sein soll? Und wo sind politische Entscheidungen erforderlich, weil Automatisierung zwar Prozesse vereinfacht, die strukturelle Fragmentierung aber nicht allein aus den bestehenden Organisationen heraus überwinden kann?